Klimakommune.digital – Projektentwicklung
Zurück zur Hauptseite
2507

Projektentwicklung 

Im Rahmen des Projektes Klimakommune.digital wurden von 2021 – 2025 eine große Anzahl signifikanter Meilensteine erreicht. Ausgangspunkt des Projekts ist die häufig unzureichende kommunale Datenlage für CO2-Emissionen. Die Daten sind oft lückenhaft und schwer vergleichbar zudem ist ihre Erhebung mit hohem Aufwand verbunden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine fehlende digitale Infrastruktur, geringe Datenkompetenz und komplexe Akteursstrukturen die Umsetzung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen hemmen. Aus diesen Befunden ergab sich die Notwendigkeit, einen übertragbaren Ansatz zu entwickeln, der die Datenverfügbarkeit,-qualität und –nutzung verbessert. Die klimakommune adressierte diese Herausforderungen durch das Zusammenspiel sektorenübergreifender Sensorik mit einer kommunalen Datenplattform. In Analogie zum Klimaschutzgesetz wurden dazu am Anfang die Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie ausgewählt. Im Laufe des Projekts kamen die beiden Sektoren Wärme und Klimafolgeanpassung dazu. Im Folgenden soll ein Einblick in die Projektsektoren gegeben und die erreichten Ziele diskutiert werden. 

Verkehr 

Mithilfe einer Kombination aus Verkehrszählung und Sensormessung können mittlerweile die CO2-Emissionen im Verkehrssektor kontinuierlich erfasst werden. Die Zählungen liefern Daten zur Verkehrsstärke, zu den Fahrzeugtypen und zu den Geschwindigkeiten. In Verbindung mit statistischen Daten ermöglichen diese Daten eine Berechnung der Emissionen. Auf der Basis der Datenlage sollen technische Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen sowie Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Politik umgesetzt werden. Zu den ergriffenen Maßnahmen zählen beispielsweise eine optimierte Ampelsteuerung und die anforderungsgerechte Bereitstellung von Daten mithilfe des Online-Dashboards. Zum Beispiel wurde auf der Urban-Data-Plattform eine Erfassung der Belegung ausgewählter Parkflächen integriert. Zusätzlich wurden die Füllstände von 180 städtischen Abfallbehältern und 20 Depotcontainern erfasst, um eine Optimierung der Routenplanung der Hagener Abfall-Logistik zu ermöglichen und Fahrtwege und Emissionen einzusparen.

Foto: dena
Foto: dena

Gebäude 

Im Gebäudesektor kommen intelligente Messsysteme und digitale Sensoren zur kontinuierlichen Messung des Energieverbrauchs (Gas, Wasser, Strom) zum Einsatz. Auf Basis dieser Daten werden CO₂-Äquivalente berechnet, um eine Echtzeit-CO₂-Bilanzierung zu ermöglichen. Aufbauend auf den erhobenen Daten können nun Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz abgeleitet werden. Zum Ende des Projekts sind alle kommunalen Gebäude mit intelligenten Messsystemen ausgestattet. Darüber hinaus wurden zwölf Schachtwasserzähler inklusive eines Pegelsensors installiert und alle Trafostationen digitalisiert. Zur Steigerung der Konnektivität bei schlechtem LoRaWAN-Empfang wurden Antennen und Indoor-Gateways verbaut. Ein exemplarisches Beispiel ist die Ausstattung aller Räume im Rathaus mit intelligenten Heizkörperthermostaten, um unter anderem durch die Automatisierung der Raumtemperaturregelung Energieeinsparungen zu erzielen. 

Foto:
Foto: Carolina Freihoff, Stadt Hagen
Foto: Carolina Freihoff, Stadt Hagen
Gaszähler mit Impulsaufnehmerkabel
Foto: Carolina Freihoff, Stadt Hagen
Intelligentes Heizkörperthermostat
LoRaWAN-Module für Datenübertragung von Zählern
Foto: Carolina Freihoff, Stadt Hagen
Intelligentes Messsystem im Zählerschrank

Industrie 

Im Rahmen des Sektors Industrie wurde eine Zusammenarbeit mit energieintensiven Unternehmen aus dem Stadtgebiet Hagen angestrebt. Mithilfe der Messung von Energiedaten wurde die infrastrukturelle Grundlage geschaffen, dass die Unternehmen ihren Energieverbrauch reduzieren. Der zielgerichtete Einsatz von Sensorik ermöglicht den Unternehmen Informationen zu ihren Energieverbräuchen und CO2-Ausstößen zu gewinnen. Diese Informationen werden durch eine granulare, bereichs-, prozess- und maschinengenaue Messung der Gas- und Stromverbräuche gewonnen.  Die Energiemessung wird durch ein adäquates Energiemanagementsystem (EMS) ergänzt. Ein elementarer Bestandteil des EMS ist eine Software zur Überwachung der Energieverbräuche. Mithilfe dieses Instruments werden Energiesparpotenziale identifiziert und durch die Umsetzung von gezielten Maßnahmen realisiert und bewertet. Eine direkte Beratung der Industrieunternehmen fand durch das dena interne Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) der dena statt. 

Wärme  

Das Zielbild des Sektors Wärme umfasste mehrere zentrale Vorhaben, die auf die Digitalisierung und Effizienzsteigerung in der Wärmeversorgung abzielt. Einerseits wurde die Digitalisierung der Wärmenetze sowie der zugehörigen Anschlüsse vorangetrieben. Dadurch sollte die Infrastruktur smarter und zukunftssicher gestaltet werden, um eine nachhaltige und ressourcenschonende Energieversorgung zu gewährleisten. Darüber hinaus wurde ein Open-Source-Chatbot eingeführt, der speziell für Anfragen zur Wärme- und Energieberatung entwickelt wurde. Dieser digitale Assistent soll Kundinnen und Kunden schnell und effizient unterstützen und ihnen den Zugang zu Beratungsleistungen erleichtern. 

Klimafolgenanpassung   

Im Frühjahr 2024 wurde der Sektor „Klimafolgeanpassung” neu eingerichtet.  Ziel war es, den kontinuierlichen Entwicklungen des Klimawandels und der zunehmenden Zahl von Naturkatastrophen gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang wurden mehrere innovative Ansätze verfolgt, um Nachhaltigkeit und Klimaanpassung in der Stadt Hagen zu fördern. Ein zentraler Bestandteil war die Einführung eines luftqualitätsbasierten Waldbranderkennungssystems. Dieses System nutzt Sensoren, um Veränderungen der Luftqualität zu überwachen, die auf entstehende Waldbrände hinweisen könnten. Dadurch ist eine frühzeitige Erkennung möglich, wodurch sich die Reaktionszeit für entsprechende Gegenmaßnahmen deutlich verkürzt. Zudem wurden Pegelsensoren an Nebenflüssen und Bächen installiert, um Hochwasser frühzeitig zu erkennen. Diese Sensoren liefern präzise Daten zur Wasserstandsentwicklung und tragen so zu einer besseren Hochwasserprognose und somit zum Hochwasserschutz bei. 

Kommunikation 

Um die Projektentwicklungen und -ergebnisse in die breite Öffentlichkeit zu tragen und eine aktive Beteiligung sowie offene Dialoge zu fördern, wurden verschiedene Kommunikations- und Partizipationsmaßnahmen durchgeführt. Mithilfe des Imagefilms und der Teilnahme an Veranstaltungen konnten Interessierte am Projekt erreicht werden, um in einen qualitativen Austausch zu treten. Weitere Informationen zur Teilnahme von klimakommune.digital an Veranstaltungen sind in den Projekteindrücken zu finden. 

Urbane Datenplattform 

Die Plattform dient als zentrale Schnittstelle, Daten aus allen Sektoren zu bündeln, zu visualisieren und für Verwaltung und Bürgerschaft nutzbar zu machen. Sie soll so der Stadt dabei helfen, datenbasierte Entscheidungen in Bezug auf die Stadtplanung zu treffen, Energiesparpotenziale zu erkennen, Herausforderungen in der klimafreundlichen Gestaltung der Stadt effizient anzugehen und die Lebensqualität für Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern. Zusätzlich werden die Daten über ein Dashboard der Urban Data Platform für die Öffentlichkeit aufbereitet und visuell dargestellt werden, um das Projekt transparent zu machen und den Bürgerinnen und Bürgern einen Überblick über Umweltemissionen im Stadtgebiet Hagen zu verschaffen und so Anreize zur Mitgestaltung zu schaffen.  

Foto: Karsten-Thilo Raab