03.03.2025
Data Act: Ein Turbo für den Datenaustausch in der Energiebranche?

Neue EU-Regel für den Datenzugang

Ab September 2025 wird der Data Act der EU (Data Act | Shaping Europe’s digital future) in den Mitgliedsstaaten weitgehend verbindlich, der auch für die Energiebranche einige Veränderungen mit sich bringt. Als wesentlicher Bestandteil der EU-Datenstrategie regelt die Verordnung den fairen Zugang zu Daten und adressiert dabei die Frage, wer aus Daten einen Mehrwert generieren kann. Neben Vorgaben zur Erleichterung des Cloud-Switchings und der Interoperabilität von Datenräumen befasst sich die Verordnung vor allem mit sogenannten vernetzten Produkten (IoT-Geräten) und den von den Nutzenden dieser Geräte generierten Daten. In diesem Blogbeitrag werden wir den Inhalt des Data Acts und mögliche Auswirkungen in der Energiebranche beleuchten.

Was regelt der Data-Act?

Der Data Act gibt den Nutzenden von vernetzten Produkten mehr Kontrolle über die von ihnen generierten Daten. Die Verordnung verpflichtet den Dateninhaber, d.h. in der Regel den Hersteller des vernetzten Produkts, den Nutzenden unverzüglich und unentgeltlich Zugang zu den von ihnen erzeugten Daten zu gewähren. Gleichzeitig darf der Dateninhaber die verfügbaren Daten nicht mehr ohne vorherige vertragliche Vereinbarung mit dem Nutzenden des Produkts verwenden und muss die Daten auf Verlangen des Nutzenden mit einem Dritten teilen. Hierfür kann der Dateninhaber ein angemessenes Entgelt vom Nutzenden verlangen.

Wie sieht das in der Energiebranche aus?

In der Energiebranche spielen vernetzte Produkte eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise intelligente Messsysteme (Smart Meter), Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Energiemanagementsysteme und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Künftig können unter Verweis auf den Data Act z.B. die Nutzenden vom Hersteller einer PV-Anlage verlangen, dass ihm alle von der Anlage erzeugten Daten einschließlich der Metadaten zur Verfügung gestellt werden. Das kann im Einzelfall bedeuten, dass die Hersteller auf Anfrage deutlich mehr Daten zugänglich machen müssen, als sie heute schon beispielsweise über eine App zum Produkt zur Verfügung stellen. Hersteller sind daher in Zukunft gefordert, ihre Produkte so anzupassen, dass die Nutzenden die von ihnen erzeugten Daten direkt am Gerät ablesen können, oder sie müssen andere elektronische Wege schaffen, um die Daten zur Verfügung zu stellen.

Wie durch Datenteilen gesellschaftlicher Mehrwert entsteht

Zukünftig könnte beispielsweise ein Nutzender unter Anwendung des Data Acts vom Hersteller verlangen, alle Daten seines Smart Meters bzw. der angeschlossenen PV-Anlage mit dem zuständigen Netzbetreiber zu teilen. Dies wiederum hilft dem Netzbetreiber, Lastspitzen frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Steuerung von Verbrauch und Einspeisung Netzüberlastungen zu vermeiden.  Dies erhöht die Netzstabilität und kommt allen angeschlossenen Verbraucherinnen und Verbrauchern zugute. Durch eine effizientere Steuerung von Erzeugung und Verbrauch durch den Netzbetreiber könnten sogar die Kosten für den Netzbetrieb gesenkt werden. Auch ist denkbar, dass durch das einfachere Datenteilen auf Wunsch des Nutzenden ganz neue Geschäftsmodelle und datenbasierte Innovationen entstehen.

 

Drei Personen (Nutzer, Hersteller, Netzbetreiber) werden abgebildet und mit Pfeilen die Beziehungen zwischen Ihnen aus dem Data Act beschrieben.

*eigene Darstellung

Wie sieht der Datenaustausch der Zukunft aus?

Für die Hersteller vernetzter Produkte ergeben sich ab September also möglicherweise einige Änderungen und einige Fragen sind noch offen: Wie können die Informations- und Vertragspflichten zwischen Hersteller und Nutzer in der Praxis möglichst einfach umgesetzt werden? Wie kann die Bereitstellung der Daten technisch effizient erfolgen?

Im Use Case Energie untersuchen wir in zwei konkreten Anwendungsfällen, wie der Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren im Energiesektor erleichtert werden kann. Dazu wurde unter anderem ein Testfeld aufgebaut, um innovative Konzepte für den Datenaustausch in der Energiewirtschaft praxisnah zu erproben und weiterzuentwickeln. Der dort eingerichtete Datenraum kann ein sicherer und effizienter Weg sein, wie in Zukunft große Datenmengen zwischen Herstellern vernetzter Geräte, deren Nutzern und Dritten echtzeitnah ausgetauscht werden können.

Glossar (in Anlehnung an Data Act) 

Cloud-Switching Wechsel zwischen zwei Anbietern von Cloud-Diensten.
Dateninhaber  Die natürliche oder juristische Person, die nach dem Data Act zur Bereitstellung von Daten verpflichtet ist. In den meisten Fällen ist dies der Hersteller des Produkts oder einer damit verbundenen Dienstleistung (z.B. produktbegleitende App).
Metadaten  Strukturierte Daten, die andere Daten basierend auf deren Merkmalen beschreiben. Metadaten enthalten also Informationen zu anderen Daten. Sie ermöglichen einem Dritten diese Daten mit Ihrer Struktur und ihren Inhalten besser zu verstehen und effizient nutzen.
Nutzender (“Nutzer”) Im Sinne des Data Acts eine natürliche oder juristische Person, die ein vernetztes Produkt besitzt. Dies gilt auch, wenn vertraglich zeitlich begrenzte Nutzungsrechte eingeräumt werden.
Vernetztes Produkt  Gegenstand, der Daten über seine Benutzung oder seine Umgebung erfasst, erzeugt oder sammelt und diese Daten über einen elektronischen Kommunikationsdienst, eine physische Verbindung oder einen geräteinternen Zugriff übertragen kann. In der Regel trifft diese Definition auf IoT-Geräte zu.

 

Weitere Details stellt die EU-Kommission auch in der Data Act| Q&A zur Verfügung.