Perspektiven einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft
6111 Leuchtende pinkfarbene Netzstruktur mit vertikalen Lichtstrahlen auf dunklem Hintergrund

Unternehmensübergreifender Datenaustausch: Potenziale und aktuelle Herausforderungen

Die fortschreitende Dezentralisierung des Energiesystems erhöht die Anforderungen an Digitalisierung und Datenaustausch zwischen den beteiligten Akteuren. Um das Energiesystem effektiv und effizient zu managen, werden verlässliche und zweckgebundene Daten zu einem zentralen Erfolgsfaktor. Sie sind die Grundlage für fundierte Energiesystementscheidungen ebenso wie für unternehmerische Entscheidungen – vom operativen Tagesgeschäft bis hin zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Der unternehmensübergreifende Datenaustausch wird von vielen Unternehmen im Energiesektor als entscheidender Hebel gesehen, um langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern und Klimaschutzziele zu erreichen. Dennoch werden die vorhandenen Potenziale nur begrenzt genutzt. Strukturen für das Teilen und Nutzen von Daten sind häufig fragmentiert, und funktionierende Datenmärkte haben sich bislang kaum herausgebildet. Damit bleibt nicht nur der bereits bestehende Datenbedarf ungedeckt, auch werden die vielfältigen Potentiale von Daten für Effizienz, Innovation und neue Geschäftsmodelle nur unzureichend ausgeschöpft.

Um dies zu ändern, müssen Akteure im Energiesystem Daten stärker als Wirtschaftsgut bzw. wirtschaftliche Ressource begreifen. Auf dieser Basis kann sich eine Datenökonomie entwickeln, die den Mehrwert von Daten erschließt und zugänglich macht.

Grundverständnis Datenökonomie

Datenökonomie fasst die gesamte wirtschaftliche Aktivität unter Verwendung von Daten zusammen. Daten wandeln sich von einem ursprünglichen Nebenprodukt zu einer eigenständigen wirtschaftlichen Ressource. Sie sind Voraussetzung für Innovationen sowie die Weiterentwicklung und Optimierung von Geschäftsmodellen und Prozessen. Im Mittelpunkt steht die Schaffung von Mehrwerten, die über klassische Geschäftsprozesse hinausgehen oder diese auf neue Weise effizienter und innovativer gestalten.

Leuchtende pinkfarbene Netzstruktur mit vertikalen Lichtstrahlen auf dunklem Hintergrund

Mit der 2022 veröffentlichten Analyse Die Datenökonomie in der Energiewirtschaft wurde im Future Energy Lab bereits eine wichtige Grundlage für die Beschäftigung mit dem Thema Datenökonomie gelegt. Eine zentrale Erkenntnis war, dass digitale Transformation nicht zwangsläufig zu einer Datenökonomie führt. Unternehmen brauchen Anreize, einen passenden Regelrahmen und eine Zielvorgabe – diese exogenen Faktoren gilt es auszugestalten, um eine Datenökonomie zu befördern.

Hier setzt das Projekt Perspektiven einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft an. Es untersucht, welche Mechanismen und fördernde Faktoren die Entwicklung einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft unterstützen können – unter Beteiligung unterschiedlicher Stakeholder und unter Berücksichtigung von Besonderheiten der Branche. Das Projekt soll bei energiewirtschaftlichen Akteuren ein stärkeres Bewusstsein dafür schaffen, Daten als Ressource zu betrachten. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, was eine Datenökonomie in der Energiewirtschaft auszeichnen kann, wie sie ausgestaltet werden sollte und welche politischen Instrumente ihre Entwicklung sinnvoll unterstützen kann.

Wichtige Leitfragen

  • Welche Vorteile und Effekte für die Energiewende entstehen, wenn Akteure Daten als Ressourcen verstehen und entsprechend handeln?
  • Wie kann eine Datenökonomie gestaltet werden, die nationale Souveränität und Klimaneutralität stärkt sowie den Schutz von Persönlichkeitsrechten und Demokratie wahrt?
  • An welchen Stellen droht Marktversagen in einer Datenökonomie der Energiewirtschaft, wenn sie nicht aktiv gestaltet wird – und warum?
  • Wie kann Zielkonflikten zwischen Einzel- und Gemeinwohlinteressen begegnet werden, etwa zwischen Datennutzung und Datenschutz oder zwischen Geschäftsgeheimnissen und Innovation?

Um diese und weitere Fragen zu beantworten, wird im Rahmen des Projekts Perspektiven einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft eine Studie durchgeführt. Diese besteht aus drei Teilen:

  1. der Aufbereitung wissenschaftlicher Grundlagen,
  2. der Analyse energiewirtschaftlicher Anwendungsfälle als Übersetzung der Theorie in die Praxis sowie
  3. der Entwicklung von Handlungsempfehlungen.

Begleitet wird der Prozess durch einen interdisziplinären Expertinnen- und Expertenkreis.

Projektziel

Ziel des Projekts ist es, die Entwicklung einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft zu fördern. Dazu soll bei energiewirtschaftlichen Akteuren ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen werden, Daten als wirtschaftliche Ressource bzw. als „Asset“ zu verstehen. Gleichzeitig soll der (bestehende) politische, wirtschaftliche und regulatorische Handlungsspielraum zur Gestaltung einer Datenökonomie in der Energiewirtschaft herausgearbeitet werden. Eine Datenökonomie in der Energiewirtschaft sollte zu den energie- und klimapolitischen Zielen (Versorgungssicherheit, Wirtschaftlich-, Umweltverträglich- und Sozialverträglichkeit) beitragen.  Wegweisende Werte dieser Datenökonomie sind darüber hinaus nationale Souveränität, der Schutz von Persönlichkeitsrechten und demokratische Prinzipien. Die Rahmenbedingungen einer Datenökonomie sollten darauf ausgerichtet sein, einen fairen Ausgleich zwischen individuellen und kollektiven Anreizen zur Datennutzung im Sinne einer systemeffizienten Energiewende zu schaffen.

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Der Expertinnen- und Expertenkreis

Das Projekt wird von einem interdisziplinären Expertinnen- und Expertenkreis begleitet. Die Mitglieder verfügen über ökonomische Expertise, fundiertes Wissen über den Energiesektor sowie Erfahrung mit datengetriebenen Geschäftsmodellen. Im Rahmen von Workshops diskutieren sie Hypothesen, Anwendungsfälle und Handlungsempfehlungen und bringen ihre Erkenntnisse in das Projekt ein.

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Projektlaufzeit

Das Projekt hat eine Laufzeit von Januar 2025 bis Juni 2027.

Projektpartner:innen