Die Vertrauensinfrastruktur von morgen
Das Projekt Digitales Identitätsmanagement und Ökosystementwicklung (DIMOS) widmet sich der Frage, wie eine vertrauenswürdige und anschlussfähige Infrastruktur für digitale Maschinenidentitäten im Energiesystem gestaltet werden kann. Ziel ist es, eine tragfähige Vertrauensarchitektur zu entwickeln, die eine sichere und interoperable Nutzung von Energiedaten ermöglicht.
Auf dieser Grundlage soll aufgezeigt werden, wie digitale Identitäten im Energiesystem breit eingeführt werden können und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.
Projekthintergrund
Die Energiewende führt zu einem zunehmend dezentralen Energiesystem mit Millionen von Anlagen und neuen Akteuren, die in immer kürzeren Zeitintervallen miteinander interagieren. Damit dieses System zuverlässig, sicher und effizient betrieben werden kann, braucht es eine durchgängige digitale Grundlage für Identifikation, Kommunikation und Datenaustausch.
Heute fehlt jedoch eine einheitliche und überprüfbare digitale Identität für Anlagen und Geräte. Daten sind nicht durchgängig verifizierbar, Prozesse bleiben fragmentiert und viele Abläufe lassen sich nicht automatisiert umsetzen. Diese digitale Identitätslücke stellt eine zentrale Herausforderung für die Skalierung der Energiewende dar.
Digitale Maschinenidentitäten können hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie ermöglichen es, Anlagen eindeutig zu identifizieren, Eigenschaften und Berechtigungen verlässlich nachzuweisen und Prozesse wie Onboarding, Flexibilitätsbereitstellung oder netzdienliche Steuerung durchgängig digital und perspektivisch automatisiert abzuwickeln.
Heute fehlt Energieanlagen eine einheitliche digitale Kennung. Eine digitale Maschinenidentität kann diese Lücke schließen, wie das Vorgängerprojekt Digitale Identitäten als Vertrauensanker im Energiesystem (DIVE) bereits gezeigt hat: Sie würde Anlagen eindeutig identifizierbar machen, Eigenschaften wie Standort, Leistung und Betreiber verifizierbar hinterlegen und damit die Grundlage für eine echte Ende-zu-Ende-Digitalisierung legen.
Anerkannte Stellen könnten diese Eigenschaften einmalig ausstellen und bei Bedarf widerrufen. So ließen sich Anlagen im Energiesystem automatisiert erkennen, überprüfen und in vielfältige Prozesse einbinden: ohne manuelle Dateneingabe, in Echtzeit und insbesondere in der Kommunikation von Maschine zu Maschine.
Ziel und Ansatz
Das Projekt DIMOS entwickelt gemeinsam mit relevanten Stakeholdern einen anschlussfähigen Vorschlag für eine Vertrauensarchitektur digitaler Maschinenidentitäten im Energiesystem. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Entwicklung einer einzelnen technischen Lösung, sondern die Erarbeitung eines gemeinsamen Rahmens, der technische, organisatorische und regulatorische Aspekte integriert.
Ziel ist es, Mehrwerte und Synergien sowie Herausforderungen und Hemmnisse einer digitalen Identitätsinfrastruktur systematisch herauszuarbeiten und darauf aufbauend konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen, wie eine Einführung durch geeignete regulatorische und organisatorische Rahmenbedingungen befördert werden kann.
DIMOS verfolgt hierfür einen kollaborativen Ansatz und bindet zentrale Akteure aus Energiewirtschaft, Technologie, Wissenschaft und institutionellem Umfeld frühzeitig ein. Der Ansatz ist komplementär zu bestehenden Infrastrukturen wie der Smart-Meter-Gateway-Architektur und zielt darauf ab, diese sinnvoll zu erweitern und in eine übergreifende Identitätslösung einzubetten.
Dabei leiten das Projekt drei Prinzipien: Erstens ein dezentraler Ansatz, der die Kontrolle über Identitätsdaten bei den jeweiligen Akteuren belässt und Datensouveränität sicherstellt. Zweitens Interoperabilität durch offene Standards, um Anschlussfähigkeit an bestehende und künftige Systeme zu gewährleisten. Drittens ein Multi-Stakeholder-Ansatz, der Mehrwerte für Prosumer, Netzbetreiber und staatliche Akteure gleichermaßen in den Blick nimmt.
Arbeitsweise und Schwerpunkte
Ein zentrales Element von DIMOS ist der kontinuierliche Austausch im Stakeholderkreis. Gemeinsam werden zentrale Fragestellungen zur Einführung digitaler Maschinenidentitäten bearbeitet. Dazu zählen insbesondere die Ausgestaltung von Rollen und Verantwortlichkeiten, Anforderungen an Interoperabilität, Skalierbarkeit und Sicherheit sowie die Identifikation geeigneter Anwendungsfälle mit hohem Mehrwert.
Ein ausgewählter Use Case wird im Projektverlauf gemeinsam identifiziert, priorisiert und im Rahmen eines technischen Piloten umgesetzt. Der Pilot demonstriert exemplarisch die technische Machbarkeit, zeigt notwendige Interoperabilitäten auf und macht die Ausgestaltung einer Vertrauensarchitektur für ein dezentrales Identitätsökosystem konkret erfahrbar. Gleichzeitig liefert er wichtige Erkenntnisse zu offenen Fragen in Bezug auf Governance, Betrieb und regulatorische Einbettung.
Aufbauend auf bestehenden Vorarbeiten
DIMOS baut auf den Ergebnissen der Vorgängerprojekte Blockchain Machine Identity Ledger (BMIL) und Digitale Identitäten als Vertrauensanker im Energiesystem (DIVE) auf. In diesen Projekten wurden digitale Maschinenidentitäten konzeptionell entwickelt und in ersten Anwendungsfällen erprobt.
DIVE hat dabei insbesondere gezeigt, welchen praktischen Nutzen digitale Maschinenidentitäten bieten können. Sie ermöglichen automatisierten Datenaustausch, erhöhen die Datenqualität und schaffen Vertrauen in Erzeugungs- und Verbrauchsdaten. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sich zentrale Prozesse wie Herkunftsnachweise oder die Zuordnung von Energiedaten durchgängig digital und perspektivisch automatisiert umsetzen lassen.
DIMOS führt diese Erkenntnisse zusammen und entwickelt sie weiter, mit dem Ziel, einen anschlussfähigen und übertragbaren Rahmen für die breite Anwendung im Energiesystem zu schaffen.
Projektlaufzeit
Das Projekt hat eine Laufzeit von Januar 2025 bis Dezember 2027.
