Qualitativ hochwertige Daten sind eine notwendige Grundlage für ein digitales Stromnetz
Die Energiewende verändert die Anforderungen an Netzbetreiber grundlegend. Dezentrale Erzeugungsanlagen, neue Verbraucher wie Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur sowie steigende Anforderungen an den Betrieb der Verteilnetze machen präzise, aktuelle und konsistente Netzdaten unverzichtbar. Das Projekt des Future Energy Labs setzt an dieser grundlegenden Stelle an, indem es eine offene Lösung zur automatisierten Datenqualitätsprüfung und -verbesserung im Netzbetrieb und in der Netzplanung entwickelt.
Ziel des Projekts
Das Projekt soll den fachlichen Austausch über Datenqualität im Netzbereich stärken. Ziel des Projekts ist es, eine offene und praxistaugliche Datentestsammlung aufzubauen, mit der Netzbetreiber ihre Datenqualität systematisch prüfen und verbessern können – ohne eine eigene Lösung von Grund auf entwickeln zu müssen. Die Datentests sollen unter realen Bedingungen erprobt, gemeinsam mit relevanten Akteuren weiterentwickelt und über den Projektzeitraum hinaus quelloffen nachnutzbar gemacht werden.
Durch die gemeinsame Diskussion typischer Datenqualitätsprobleme, geeigneter Prüfregeln und praktischer Integrationserfahrungen entsteht nicht nur eine technische Lösung, sondern auch Wissen für die Anwendung in der Praxis. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zum Kompetenzaufbau bei Netzbetreibern und weiteren Akteuren der Energiewirtschaft.
Das Vorgehen
GridQA verbindet fachlichen Austausch, praktische Erprobung und technische Entwicklung. Gemeinsam mit Netzbetreibern und weiteren Akteuren der Energiewirtschaft wird zunächst erarbeitet, welche Datenqualitätsprobleme im Netzbetrieb und in der Netzplanung besonders relevant sind – etwa unvollständige Stammdaten, uneinheitliche Betriebsmitteldaten oder widersprüchliche Angaben zu Netzanschlüssen.
Diese Anforderungen werden priorisiert und in konkrete Prüfregeln übersetzt. Daraus entsteht schrittweise eine offene Datentestsammlung, die sich an realen Praxisbedarfen der Netzbetreiber orientiert.
Parallel wird geprüft, wie sich die Tests in bestehende Datenhaltungs-, Data-Hub- oder IT-Strukturen integrieren lassen. Die technische Umsetzung erfolgt CIM-basiert und Open Source. Dokumentation, Tutorials sowie Import- und Exportmechanismen sollen die spätere Nachnutzung erleichtern.
Der begleitende Stakeholderprozess bringt operative, technische und strategische Perspektiven zusammen um konkrete Erfahrungen aus dem Netzbetrieb sowie zu Fragen der Standardisierung, Skalierbarkeit und digitalen Souveränität in die Entwicklung einfließen zu lassen.
Ein Datentest ist eine automatisierte Prüfregel, die Daten auf bestimmte Qualitätsanforderungen überprüft. Ein einfaches Beispiel ist die Prüfung einer E-Mail-Adresse: Enthält der Eintrag ein „@“-Zeichen, ist er formal plausibel; fehlt das Zeichen, wird ein Fehler erkannt.
Übertragen auf den Netzbereich können solche Tests zum Beispiel prüfen, ob Betriebsmittel-, Anschluss-, Mess- oder Planungsdaten vollständig, plausibel und konsistent sind. Sie erkennen etwa fehlende Pflichtfelder, technische Werte außerhalb zulässiger Bereiche oder widersprüchliche Angaben aus unterschiedlichen Systemen. Die Tests prüfen also nicht den Programmcode, sondern die Daten selbst.
Warum ist das wichtig?
Automatisierte Analysen, vorausschauende Netzplanung und digitale Steuerungsprozesse funktionieren nur dann zuverlässig, wenn die zugrunde liegenden Daten stimmen. Gerade kleinere und mittlere Netzbetreiber stehen hier oft vor der Herausforderung, dass manuelle Datenqualitätssicherung zeitaufwendig ist und individuelle Automatisierungslösungen hohe Ressourcen binden. Mit dem Open-Source-Ansatz schafft das Projekt eine übertragbare Grundlage für mehr Datenqualität, mehr Effizienz und mehr digitale Souveränität im Netzbereich und hebt damit perspektivisch die Qualität der vorhandenen Datenbasis nicht nur in einem regionalen Teilnetz, sondern deutschlandweit.
Ergebnisse und Perspektive
Die Projektergebnisse werden unter offener Lizenz über den GitHub-Account (Link) des Future Energy Lab veröffentlicht. Ergänzend entstehen technische Dokumentationen, Tutorials, Fact Sheets, eine Handreichung für Netzbetreiber sowie Empfehlungen für die langfristige Weiterentwicklung der Lösung.
Mitwirken im Projekt
Sind Sie Netzbetreiber oder beschäftigen Sie sich fachlich mit Datenqualität, Netzplanung, Data Hubs oder energiewirtschaftlichen Datenmodellen? Dann freuen wir uns über Ihr Interesse an einer Mitwirkung im Projekt.
Gesucht werden insbesondere Akteure, die ihre fachliche Perspektive in den Stakeholderprozess einbringen oder eine exemplarische Erprobung der Datentestsammlung in bestehenden Datenhaltungs- oder Data-Hub-Strukturen prüfen möchten.
