13.01.2026
Zivilgesellschaftliche Positionen zum sektorübergreifenden Datenaustausch in der Energiewirtschaft - Für offene und faire Lösungen

Wie können Energiedaten geteilt werden, sodass sie wirtschaftlich nutzbar sind und gleichzeitig zivilgesellschaftliche Teilhabe ermöglichen? Wie lässt sich dafür eine zugängliche und sichere Datenaustausch-Infrastruktur schaffen – und welche Chancen kann ein Datenraum dabei bieten?

Solche Fragen standen im Mittelpunkt dreier Fokusgruppen des Branchendialogs zu „zivilgesellschaftlichen Positionen zum sektorübergreifenden Datenaustausch in der Energiewirtschaft“, welche im Use Case Energie vom Fraunhofer ISE und Fraunhofer ISI durchgeführt wurden.

Ziel war es, unterschiedliche Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammenzubringen und gemeinsam über einen fairen, zukunftsfähigen Datenaustausch in der Energiewirtschaft zu diskutieren. In drei Fokusgruppen haben sich Extertinnen und Experten aus insgesamt zwölf zivilgesellschaftlichen Organisationen beteiligt. Die zwei Anwendungsfälle des Projektes bildeten den Ausgangspunkt der Diskussion: Der Zugang zu Verbrauchs- und Erzeugungsdaten von Kleinanlagen und Verbrauchsnachweise bei Ladevorgängen von Elektroautos. Anhand dieser wurden wichtige Spannungsfelder zum Thema herausgearbeitet.

Gemeinwohlorientierung und Monetarisierung von Daten – (k)ein Widerspruch?

Ein gemeinwohlorientiertes Datenökosystem sollte primär den Nutzen für die Gesellschaft und sollte nicht rein wirtschaftliche Interessen bedienen. Aus diesem Grund lehnen einige der Teilnehmenden eine Monetarisierung von Daten grundsätzlich ab. In allen Gruppen war der Wunsch deutlich: Daten, die dem Allgemeinwohl dienen, müssen umfassender zugänglich sein. Dazu gehören klare Regeln, verbindliche Interoperabilität. Es wurde auch betont, dass es eine Verpflichtung zur Bereitstellung und Indizierung bestimmter Daten geben solle – etwa durch Kommunen oder Länder. Denn so ließen sich Daten überhaupt erst stärker im Sinne des Gemeinwohls und der Energiewende nutzen.

Auf der anderen Seite wurde ebenso klar benannt: wenn Daten offen verfügbar sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie genutzt werden. Der Umgang mit Daten erfordert Know-How und Interesse. Und viele Menschen bevorzugen „Rundum-Sorglos-Pakete“ für die sie bereitwillig bezahlen. Ein vollständig offenes, frei nutzbares Datenökosystem kann und wird nicht außerhalb bestehender ökonomischer Logiken existieren. Genau hier wird es spannend: Konzepte, die auf Open Source und Open Data setzen, stehen vor der Herausforderung, tragfähige Modelle zu entwickeln, die Offenheit und Gemeinwohlorientierung mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Einklang bringen. Dieses Spannungsfeld – zwischen gesellschaftlichem Nutzen und ökonomischer Realität – ist einer der zentralen Knackpunkte, wenn es um Datenaustausch in der Energiewirtschaft geht und dieser wurde auch von allen Beteiligten wahrgenommen.

Datenraum als echte Chance für regulierten Zugang zu offenen Daten?

Braucht es wirklich einen Datenraum? Einige der Teilnehmenden waren skeptisch. Mit ausreichend Open Source, offenen Standards und Interoperabilität sei eine zusätzliche Datenraum-Infrastruktur nicht zwingend notwendig. Sie könne sogar neue Hürden schaffen – vor allem für kleinere Organisationen und die Zivilgesellschaft. Ein Datenraum brauche eigene finanzielle Ressourcen, technische Expertise und organisatorischen Aufwand. Möglicherweise wäre der Einstieg dadurch eher schwieriger als leichter. Auf der anderen Seite sahen die Teilnehmen in einem Datenraum zahlreiche Chancen: Durch klare Regeln ließe sich verbindlich festlegen, wer welche Daten wie austauscht. Ein regulierter Datenraum könne im Prinzip wie eine moderne „Bibliothek“ funktionieren: ein strukturierter Ort, der den Zugang zu Daten sicher, nachvollziehbar und fair gestaltet. Gerade kleinere Marktakteure oder zivilgesellschaftliche Organisationen könnten hierbei profitieren, wenn ein Datenraum bewusst gemeinwohlorientiert gestaltet wird: mit niedrigen Hürden, klaren Nutzungsbedingungen und einem transparenten Zugangsmanagement. – Zwischen unnötiger Zusatzinfrastruktur und großer Chance liegt also weniger ein Widerspruch als vielmehr eine Gestaltungsfrage.

Was ein Datenraum wirklich verändern könnte

Einige Teilnehmende warnten davor, dass ein Datenraum durch sein notwendiges Rechte- und Zugangsmanagement am Ende Privatisierungstendenzen begünstigen könnte. „Alle Anreize sind eigentlich da, um hinterher zu sagen: Und ich nehme dir das wieder weg“, fasste ein Interviewteilnehmer die Sorge zusammen. Die Befürchtung: Eine neue Infrastruktur schafft nicht nur Ordnung, sondern auch neue Kontrollpunkte, an denen Zugänge eingeschränkt oder kommerzialisiert werden könnten. Hier werden die konkrete Ausgestaltung des Betreibermodells der föderierten Infrastruktur und transparente Governance-Regeln (z. B. Entscheidungsbefugnisse, Kontrollmechanismen) entscheidend sein, um planbare Nutzung und Vertrauen sicherzustellen. Gleichzeitig wurden aber auch sehr konkrete Chancen gesehen. Ein Beispiel sind Bürgerenergiegenossenschaften, die heute aufgrund der bestehenden Marktkommunikation oft nur schwer am Energiemarkt teilnehmen können. Ein gut gestalteter Datenraum könnte ihnen den Austausch relevanter Daten erheblich erleichtern und ihre Teilhabe stärken. Auch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zivilgesellschaftlicher Organisationen könnte ein solcher Raum ein echter Fortschritt sein. Wenn Daten leichter und standardisiert verfügbar wären, ließe sich Berichterstattung schneller, günstiger und fundierter erstellen.

In den Gesprächen wurde deutlich: Ein Dialog und die Berücksichtigung zivilgesellschaftlicher Perspektiven werden sehr geschätzt. Das Interesse und Engagement für das Thema ist vorhanden, und Ideen sollten aktiv einbezogen werden. Nur so kann ein fairer Datenaustausch in der Energiewirtschaft gelingen und ein zukunftsfähiges, integratives Datenökosystem entstehen.