01.10.2025
Datenraum Realtalk: Was Datenräume wirklich können - und was nicht

Viele reden über Datenräume. Nicht immer ist dabei klar, was sich dahinter genau verbirgt und welchen Nutzen sie für den Alltag der Energiewirtschaft bringen. Dieser Beitrag hilft die Erwartungen zu sortieren, räumt mit häufigen Missverständnissen auf und fasst zusammen, was wir im Rahmen des Use Case Energie zum Aufbau des Dateninstituts und dem Aufbau eines Datenraums gelernt haben.

Die Grundidee: Dezentral statt zentral

Ein Datenraum ist kein neues Datenlager. Daten bleiben bei den Inhabern und werden nur gezielt und unter klaren Bedingungen geteilt. Dafür braucht es gemeinsame Standards, Regeln und die technische Brücke dazwischen. Man kann es sich wie ein verabredetes Miteinander vorstellen: Jeder bringt seine Daten mit, teilt sie gezielt und behält die Hoheit darüber, wem genau und weshalb die Tür zu den eigenen Daten geöffnet wird.

Ein Datenraum ist ein regelbasiertes Ökosystem für den Datenaustausch, in dem die teilnehmenden Akteure souverän über ihre eigenen Daten entscheiden. Der technische Baustein „Konnektor“ (eine Software) ermöglicht es den Teilnehmenden, sich mit dem Datenraum zu verbinden, Datenkataloge machen Datenangebote auffindbar und ein integriertes Identitäts- und Rechtemanagement sorgt dafür, dass der Zugriff gezielt gesteuert werden kann. Nutzungsrechte sind dabei vertraglich festgelegten und die Aushandlung der Bedingungen erfolgt automatisiert. So können die Teilnehmenden Daten sicher, nachvollziehbar und effizient übertragen. Ein entscheidender Mehrwert des Datenraums entsteht aus der Governance. Sie gibt Datensouveränität einen durchsetzbaren Rahmen, legt nachvollziehbar fest, wer mit welchen Daten was tun darf und unter welchen Auflagen das geschieht, und macht Zugriffe prüfbar.

Was oft verwechselt wird

Häufig wird ein Datenraum mit einer Plattform oder Datenbank gleichgesetzt. Tatsächlich ist er ein Zusammenspiel aus Technik und Governance und kein reines Software-Produkt, das man „einfach installiert“. Genauso wenig gibt es (bisher) den einen großen Datenraum für alles. Branchen, Communities und Anwendungsfälle unterscheiden sich und entwickeln derzeit verschiedene Datenräume. Interoperabilität ist zukünftig wichtig, aber greift heute noch nicht überall, wo sie benötigt wird.

Eine vollständige Kontrolle über die weitere Nutzung der geteilten Daten lässt sich technisch nie zu hundert Prozent garantieren. Policies, Zertifizierungen und Audits senken das Risiko spürbar, ersetzen aber nicht vollkommen das notwendige Vertrauen in die Qualität der Prozesse im Datenraum und in die Durchsetzbarkeit der Verträge. Am Ende wirken Technik und Governance im Datenraum sowie der Rechtsrahmen gemeinsam.

Daten-Governance & „Warum sollte ich teilen?“

Die Sorge ist verständlich: Wer Daten teilt, fürchtet Wissensabfluss an Wettbewerber. Ein Datenraum setzt genau hier an und funktioniert nicht nach dem Prinzip „alles für alle“, sondern mit fein steuerbaren Zugriffs- und Nutzungsrechten. Anbieter definieren Policies und Verträge: Wer darf zugreifen, zu welchem Zweck, wie lange und unter welchen Auflagen? Ein Beispiel dafür wäre: Serviceanbieter X darf auf Lastgangdaten zugreifen und verbessert damit z.B. seine Prognosen. Die 15-Minuten-Werte sind 30 Tage lang verfügbar, eine Weitergabe ist nicht erlaubt; bei einem Sicherheitsvorfall müssen sie sofort gesperrt werden. So entstehen ein kontrolliertes Geben und Nehmen, Datenhoheit bleibt gewahrt und, Risiken werden durch Governance und Technik begrenzt und im Gegenzug werden neue Datenquellen erschlossen.

Was wir im Hackathon gelernt haben

Im Future Energy Lab haben zehn Teams in 24 Stunden mit unserem Energiedatenraum aus dem Testfeld gearbeitet. Sie legten data assets an, also beschriebene Datenquellen mit Angabe, wo die Daten liegen und wie der sichere Zugriff funktioniert, und definierten data policies, also klare Nutzungsregeln dazu, wer die Daten wofür und wie lange verwenden darf. Aus beidem entstand ein Angebot im gemeinsamen Katalog, die Nutzung wurde vereinbart, die Daten wurden übertragen und weiterverarbeitet, und die Ergebnisse anschließend wieder bereitgestellt. Das funktioniert und es entstehen in kurzer Zeit greifbare Prototypen und spannende Pitches.

Gleichzeitig wurde deutlich, wo nachgeschärft werden sollte. Eine gute Oberfläche, klare Anleitungen und anschlussfähige Schnittstellen beschleunigen die Arbeitsabläufe. Semantik und Metadaten sind elementar damit andere die Datensätze finden und richtig interpretieren können. Ohne tragfähiges Geschäftsmodell bleibt der Raum leer. Die Teilnehmenden erwarten einen operativen, finanziellen oder strategischen Nutzen. Wenn erste Anwendungsfälle sichtbar funktionieren, entsteht Dynamik. Dann zieht der Raum weitere Akteure an und wächst organisch.

Realität: Datenräume lösen nicht alles allein

Ein Datenraum kann Datensouveränität sichern, den sicheren und effizienten Datenaustausch vereinfachen und neue Kooperationen ermöglichen. Standardisierte Schnittstellen, ein gemeinsamer Katalog und maschinenlesbare Policies senken den Abstimmungsaufwand und Prozesszeiten erheblich. Dadurch sind Datenangebote leicht auffindbar und Zugriffe werden geregelt und technisch durchgesetzt. Integrationen erfolgen über wiederverwendbare Konnektoren statt über individuelle Schnittstellen. Ein Datenraum kann somit Prozesse beschleunigen, Transparenz schaffen und Märkte öffnen. Er ersetzt jedoch nicht die interne Datenhygiene, das Datenqualitätsmanagement und die strategische Entscheidung, Daten tatsächlich zu teilen. Im Energiesektor haben Datenräume noch keine breite Anwendung gefunden. Damit sich das ändert, braucht es eine einfache Bedienung und einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen. Ein Mehrwert entsteht, wenn Technik und Governance einschließlich geeigneter Anreizmechanismen stimmig zusammenspielen.

Fazit

Datenraum Realtalk ist wichtig. Wir müssen klar benennen, was Datenräume können und was nicht. Sie sind kein Allheilmittel der Digitalisierung, aber sie schaffen einen durchsetzbaren Rahmen für Datensouveränität und ermöglichen skalierbaren Datenaustausch. Sie haben dadurch erhebliches Potenzial für eine florierende Datenökonomie über Sektorengrenzen hinweg.

Im Testfeld erproben wir den Austausch von Verbrauchs- und Erzeugungsdaten dezentraler Anlagen über einen Datenraum und zeigen anhand praktischer Anwendungsfälle aus der Energiewirtschaft, wie Datenräume künftig messbare Mehrwerte schaffen können. Wir binden Schritt für Schritt Akteure an den Datenraum an, setzen Use Cases um, und übersetzen Feedback in konkrete Anpassungen. So wächst aus funktionierenden Einzelfällen ein belastbares Ökosystem.