Ja, wirklich: die Server, auf denen wir den Datenraum betrieben haben, stehen in einem Windrad und sind Teil unseres Testfelds. Dieses ungewöhnliche Setup war kein Gag, sondern Programm: Wir wollten prüfen, wie digitale Infrastruktur und reale Erzeugung vor Ort zusammenwirken — live und praxisnah. Das war der Ausgangspunkt für unseren Hackathon im Future Energy Lab am 20. und 21. August.
Warum wir das gemacht haben
Das Testfeld im Use Case Energie zum Aufbau eines Dateninstituts erprobt, wie ein Energiedatenraum den sicheren und effizienten Austausch von Erzeugungs- und Verbrauchsdaten ermöglicht. Ziel des Hackathons war es, die Technologie praktisch erlebbar zu machen, Anwendungsfälle und Geschäftsmodelle zu explorieren und technische wie organisatorische Hürden zu identifizieren.
Das Format
Zehn Teams , zusammengesetzt aus Start-Ups sowie Universitäts- und Forschungsinstituten starteten mit der Aufgabe, acht Challenges zu bearbeiten: vom Anlegen eines Assets (ein Datensatz im Datenraum) über die Definition von Policies und Offers bis hin zur Vertragsverhandlung, dem Datentransfer, der Datenveredelung und einer abschließenden Visualisierung. Technische und energiewirtschaftliche Coaches begleiteten die Teams, gaben Hilfestellung bei Hürden und prüften die Erfüllung der Challenges. Am zweiten Tag präsentierten alle Teams ihre Ergebnisse in Pitches vor einer Jury und dem Publikum.
Inhaltlich begleitet und eingerahmt wurden die beiden Tage durch zwei Keynotes durch Vertreter der IDSA und Gaia-X (Domäne Energie), Diskussionen im World-Café und kollegiale Austauschformate, die das Lernen über Disziplinen hinweg gefördert haben.
Was entstanden ist
Die Bandbreite der Prototypen reichte von der Integrierung von Forschungsdaten über eine datengestützte Optimierung für Ladestellenbetreiber und verbesserte Heizlastprognosen bis hin zu verbesserten Ladeprofilen. Und das alles mit Hilfe des bereitgestellten Datenraums.
Besonders gewürdigt wurde das Team von OFFIS (1. Platz), das erfolgreich zwei Kernfragen im Datenraum adressierte: die Übertragbarkeit standardisierter Geodaten-APIs durch den Dataspace und das langfristige Auslesen von Zeitreihendaten.
Aufmerksamkeit erregte ebenfalls das Team von Enercast (2. Platz), das über den Dataspace mithilfe von Daten aus SMGWs und PV-Anlagen Prognosen für lokale Erzeugung und Last erstellte, die Differenz ermittelte und schließlich visualisieren konnte.
Was wir gelernt haben
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Hackathon lassen sich so zusammenfassen:
- Die Infrastruktur macht den Unterschied. Wenn Entwicklerinnen und Entwickler eine funktionierende Infrastruktur wie unseren Datenraum zur Verfügung gestellt bekommen, entstehen in kurzer Zeit kreative und praxistaugliche Lösungen.
- Challenge-Design und zur Verfügung gestellte Dokumentationen sind entscheidend. Gute, präzise formulierte Challenges plus gut aufbereitete technische Dokumentationen beschleunigen den Einstieg und erhöhen die Motivation und die Erfolgsquote.
- Interdisziplinarität schafft Anschlussfähigkeit. Teams, die Technik, Geschäftsmodell und politische/regulatorische Perspektiven zusammengedacht haben, produzierten die am ehesten skalierbaren Ansätzen.
- Learning is a two-way process. Wir haben unser Ziel erreicht: Viele Teilnehmende sind jetzt mit der Datenraum-Technologie vertraut. Gleichzeitig nehmen wir viele konkrete Hinweise mit zurück ins Testfeld — für Onboarding, Standardisierung, Dokumentation und zu operativen Fragen.
Rückfluss ins Testfeld zur Weiterentwicklung des Datenraums
Die während des Hackathons gewonnenen Erkenntnisse fließen unmittelbar zurück in das laufende Projekt. Die Praxisbeispiele helfen uns, den Datenraum weiterzuentwickeln, technisch, organisatorisch und hinsichtlich Governance-Bausteinen.
Fazit
Der Hackathon im Future Energy Lab war mehr als ein Wettbewerb: Er war ein Lab, ein Lehrraum und eine Brutstätte für Ideen. Die Stimmung war durchgehend positiv, alle haben mit angepackt, und die Energie, die in diese 24 Stunden geflossen ist, wirkt weiter. Unsere zentrale Erkenntnis bleibt: Datenräume und Energiewirtschaft sind ein sehr gutes Match — und sie nehmen mit jedem praktischen Test mehr Gestalt an.
Ein großer Dank an alle Teams, die Coaches vom Fraunhofer-Institut , die Jury (Katrin Rosendahl, BMDS, Prof. Michael Laskowski, Gaia-X Domäne Energie, Linda Babilon, dena) und alle Unterstützerinnen und Unterstützer.
