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Datenräume für die Energiewende: vom Projekt in die Praxis

18.06.2026

Wie kann Datenaustausch im Energiesystem sicher, souverän und praxisnah gelingen?

Beim zweiten Branchentreffen des Use Case Energie unter dem Motto „Mit Daten gemeinsam Werte generieren – Datenräume für die Energiewende“ kamen rund 100 Akteure aus Energiewirtschaft, Digitalbranche, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Future Energy Lab zusammen. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse aus Testfeld und Branchendialog, das Referenzsystem Re4DE und die Frage, wie Datenräume aus Pilotprojekten in die breite Anwendung kommen.

Datenräume als digitale Infrastruktur für die Energiewende

Ein zunehmend dezentrales Energiesystem lässt sich nur dann effizient, flexibel und resilient steuern, wenn Daten sicher, standardisiert und sektorenübergreifend ausgetauscht werden können. Genau hier setzen Datenräume an: Sie schaffen einen Rahmen, in dem Datenzugriff und Datennutzung souverän, nachvollziehbar und anschlussfähig an europäische Entwicklungen gestaltet werden.

In der Begrüßung und politischen Einordnung wurde deutlich, dass Digitalisierung kein Nebenthema der Energiewende ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für ihre Umsetzung. Dezentrale erneuerbare Energien, flexible Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Autos sowie neue Marktrollen erhöhen den Koordinationsbedarf im Energiesystem. Um diese Komplexität zu beherrschen, braucht es leistungsfähige digitale Infrastrukturen, verbindliche Standards, klare Governance und Vertrauen zwischen den beteiligten Akteuren.

Vom Use Case Energie zu Re4DE

Der Use Case Energie hat zentrale Herausforderungen und Chancen eines verbesserten Datenaustauschs in der Energiewirtschaft untersucht: Welche Hürden begegnen Unternehmen? Welche Mehrwerte entstehen durch bessere Datennutzung? Und welche technischen, regulatorischen und organisatorischen Voraussetzungen braucht es, damit datenbasierte Lösungen in der Praxis funktionieren?

Das Projekt erarbeitete Antworten und konkrete Lösungen zu diesen Fragen mit insgesamt 21 Projektpartnern, 47 Arbeitsgruppenmitgliedern und über 700 beteiligten Personen im Branchendialog. Im Gespräch der Projektbeteiligten wurde deutlich, was den Unterschied macht: Die Arbeit entlang eines konkreten Use Cases schafft klaren Bezug und macht individuelle Sichtweisen deutlich, die Gemeinwohlorientierung ergänzt gleichzeitig die systemische Perspektive, eine langfristige Zusammenarbeit ermöglicht gegenseitiges Verständnis und Interdisziplinarität sorgt für einen breiten Blick.

Ein zentrales Ergebnis dieser Arbeit ist Re4DE – ein offenes Referenzsystem für sicheren Datenaustausch im Energiesektor. Re4DE beschreibt Prozesse, Governance-Regeln und eine technische Architektur: Konnektoren fungieren als Zugangspunkte der Akteure zum Datenraum, Datenkatalogen helfen Datenangebote aufzufinden, das Identitätsmanagement bietet eine gemeinsame Vertrauensbasis für etablierte und neue Marktakteure. Im Testfeld wurden konkrete Anwendungsfälle umgesetzt, darunter der Zugang zu Verbrauchs- und Erzeugungsdaten von Kleinanlagen (z.B. für Visualisierungen und Steuerung von Verbrauchsanlagen), Verbrauchsnachweise für Ladevorgänge von E-Fahrzeugen (z.B. für die Mitnahme des eigenen Stromvertrags zur Ladesäule), sowie der Datenaustausch für variable Netzentgelte.

Mann steht vor Bildschirm mit Präsentation und spricht zu sitzendem Publikum in modernem Konferenzraum
DIT Use Case Branchentreff #2 Mit Daten gemeinsam Werte generieren-Datenräume für die Energiewende am 16.06.2026 im Future Energy Lab / Berlin Foto: Claudius Pflug
Deep-Dive-Session, Foto von Claudius Pflug

Deep Dives: Drei Perspektivem aufUmsetzung

In drei parallelen Deep-Dive-Sessions wurden zentrale Umsetzungsfragen vertieft:

  • Re4DE als Blueprint für effizienten und sicheren Datenaustausch
    Die Session zeigte, welche Rollen, Infrastrukturbausteine und Governance-Fragen für einen Energiedatenraum relevant sind. Im Fokus standen Identitätsmanagement über Konnektoren und Registries, Datennutzungsvereinbarungen und möglichen Betreibermodellen.
  • Der Re4DE-Konnektor als technischer Zugang zum Datenraum
    Hier wurden die praktische Anbindung von Unternehmen in den Blick genommen: Wie werden Daten beschrieben, katalogisiert und übertragen? Wie laufen Vertragsverhandlungen und Policy-Prüfungen ab? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit bestehende IT-Systeme angebunden werden können?
  • Datenaustausch braucht mehr als Technik: Prozesse, Anreize und Vertrauen
    Mit Hilfe des Datenlebenszyklus wurde im Projekt deutlich: Unternehmen sind besonders herausgefordert bei der Datenerhebung, dem Zugriff und der Weitergabe von Daten. An exemplarischen Herausforderungen wurde diskutiert, welche Lösungsansätze Unternehmen wählen sollten. Eine Datenstrategie ist dabei die Grundlage für alle erfolgreichen und langfristigen Veränderungen in Prozessen, im Mind Set sowie der Technik.

Roadmap: Skalierung braucht Governance und Mehrwert

In der abschließenden Paneldiskussion stand die Frage im Vordergrund, wie Datenräume für die Energiewende wirksam werden können und was politisch, regulatorisch, wirtschaftlich und organisatorisch dafür die konkreten nächsten Schritte sein müssen.

  • Datenräume können für Unternehmen im Energiesektor mehr sein als eine zusätzliche technische Schnittstelle. Sie können konkrete Probleme lösen, neue Anwendungen ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit, Verlässlichkeit und Datensouveränität gewährleisten.
  • Datenräume können potenziell auch bestehende Infrastrukturen und Prozesse wie die Marktkommunikation oder den MaBiS-Hub ablösen.
  • Entscheidend ist zunächst mit leicht umsetzbaren Anwendungen zu beginnen und die Mehrwerte für die Akteure greifbar zu machen.
  • Das Technologieverständnis muss in die Breite getragen werden.
  • Es braucht Räume und Formate, in denen sektorenübergreifend zusammengearbeitet wird und wo Wirtschaft, Politik und Regulierung offene Fragen, z.B. zum langfristigen Betrieb gemeinsam bearbeiten.
  • Jeder kann zudem im Rahmen der eigenen Organisation beginnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und in den Austausch zu treten.

Ausblick

Mit Re4DE liegt ein funktionsfähiger Datenraum Open Source vor, der bereits in anderen Projekten wie energy data-X eingesetzt wird und als Grundlage für weitere Implementierungen und Weiterentwicklungen dient. Die technologischen Grundlagen sind vorhanden. Jetzt geht es darum, erfolgreiche Ansätze in den Realbetrieb zu bringen, Anwendungen zu skalieren und Betreibermodelle zu klären.

Leitsätze und Handlungsempfehlungen für die Etablierung von Datenräumen in der Energiewirtschaft, lesen Sie in unserem Impulspapier: Data Spaces für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands | dena

Das Future Energy Lab bringt dafür die relevanten Akteurinnen und Akteure mit dem Ziel zusammen, Datenräume als Baustein einer sicheren, bezahlbaren und erneuerbaren Energieversorgung weiterzuentwickeln.

Mann mit Brille und Anzug hält Mikrofon und steht an einem Rednerpult mit Aufschrift 'Future Energy Lab' vor einem Bildschirm mit Text zu politischer Einordnung und Datenwerten
Robert Heinrich, Foto von Claudius Pflug
Fünf Personen sitzen auf einer Bühne vor Publikum und diskutieren in einem Panel, im Hintergrund ein Bildschirm mit Text und zwei Banner mit dem Schriftzug 'Future Energy Lab'
Paneldiskussion, Foto von Claudius Pflug
Zwei Personen sitzen auf Stühlen, eine Frau mit lockigem Haar und gestreiftem Oberteil hält einen Stift und ein Notizbuch, ein Mann mit Brille und dunklem Sakko spricht in ein Mikrofon, im Hintergrund eine große grüne Pflanze und ein Bildschirm mit Text.
Panel, Foto von Claudius Pflug
Publikum in einem modernen Veranstaltungsraum verfolgt eine Podiumsdiskussion mit drei Personen vor einer großen Präsentationsfolie
Panel, Foto von Claudius Pflug
Mann in Anzug sitzt auf Stuhl und spricht mit Mikrofon vor Banner mit Schriftzug 'Future Energy Lab'
Axel Kießling, Foto von Claudius Pflug
Frau mit lockigem Haar und gestreiftem Oberteil spricht gestikulierend an einem Rednerpult vor einem Banner mit der Aufschrift 'Future Energy Lab'
Linda Babilon, Foto von Claudius Pflug
Mann in dunklem Sakko hält Notizen und spricht vor Banner mit Schriftzug 'Future Energy Lab'
Philipp Richard, Foto von Claudius Pflug
Mehrere Personen sitzen an einem Tisch mit großen Papierbögen und orangefarbenen Klebepunkten, eine Person schreibt auf einem Zettel
Deep-Dive-Sessions, Foto von Claudius Pflug
Gruppe von Menschen sitzt an langen Tischen in modernem Besprechungsraum und hört aufmerksam zu
Deep-Dive-Sessions, Foto von Claudius Pflug
Mann steht vor Bildschirm mit Präsentation und spricht zu sitzendem Publikum in modernem Konferenzraum
Deep-Dive-Sessions, Foto von Claudius Pflug
Frau steht vor einem Tisch mit Papieren und spricht zu einer Gruppe von Menschen in einem Raum mit sichtbaren Backsteinbögen an der Decke
Deep-Dive-Sessions, Foto von Claudius Pflug
Frau mit blonden Haaren und Brille spricht in Mikrofon und gestikuliert mit der linken Hand
Networking, Foto von Claudius Pflug
Zwei Personen im Gespräch in einem Raum mit mehreren weiteren Personen im Hintergrund
Robert Heinrich und Kristina Haverkamp, Foto von Claudius Pflug
Gruppe von zwölf Personen steht in einem hellen Raum vor einem Bildschirm und zwei Bannern mit dem Schriftzug 'Future Energy'
Use Case Energie Gruppenbild, Foto von Claudius Pflug