Wie kann Datenaustausch im Energiesystem sicher, souverän und praxisnah gelingen?
Beim zweiten Branchentreffen des Use Case Energie unter dem Motto „Mit Daten gemeinsam Werte generieren – Datenräume für die Energiewende“ kamen rund 100 Akteure aus Energiewirtschaft, Digitalbranche, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Future Energy Lab zusammen. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse aus Testfeld und Branchendialog, das Referenzsystem Re4DE und die Frage, wie Datenräume aus Pilotprojekten in die breite Anwendung kommen.
Datenräume als digitale Infrastruktur für die Energiewende
Ein zunehmend dezentrales Energiesystem lässt sich nur dann effizient, flexibel und resilient steuern, wenn Daten sicher, standardisiert und sektorenübergreifend ausgetauscht werden können. Genau hier setzen Datenräume an: Sie schaffen einen Rahmen, in dem Datenzugriff und Datennutzung souverän, nachvollziehbar und anschlussfähig an europäische Entwicklungen gestaltet werden.
In der Begrüßung und politischen Einordnung wurde deutlich, dass Digitalisierung kein Nebenthema der Energiewende ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für ihre Umsetzung. Dezentrale erneuerbare Energien, flexible Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Autos sowie neue Marktrollen erhöhen den Koordinationsbedarf im Energiesystem. Um diese Komplexität zu beherrschen, braucht es leistungsfähige digitale Infrastrukturen, verbindliche Standards, klare Governance und Vertrauen zwischen den beteiligten Akteuren.
Vom Use Case Energie zu Re4DE
Der Use Case Energie hat zentrale Herausforderungen und Chancen eines verbesserten Datenaustauschs in der Energiewirtschaft untersucht: Welche Hürden begegnen Unternehmen? Welche Mehrwerte entstehen durch bessere Datennutzung? Und welche technischen, regulatorischen und organisatorischen Voraussetzungen braucht es, damit datenbasierte Lösungen in der Praxis funktionieren?
Das Projekt erarbeitete Antworten und konkrete Lösungen zu diesen Fragen mit insgesamt 21 Projektpartnern, 47 Arbeitsgruppenmitgliedern und über 700 beteiligten Personen im Branchendialog. Im Gespräch der Projektbeteiligten wurde deutlich, was den Unterschied macht: Die Arbeit entlang eines konkreten Use Cases schafft klaren Bezug und macht individuelle Sichtweisen deutlich, die Gemeinwohlorientierung ergänzt gleichzeitig die systemische Perspektive, eine langfristige Zusammenarbeit ermöglicht gegenseitiges Verständnis und Interdisziplinarität sorgt für einen breiten Blick.
Ein zentrales Ergebnis dieser Arbeit ist Re4DE – ein offenes Referenzsystem für sicheren Datenaustausch im Energiesektor. Re4DE beschreibt Prozesse, Governance-Regeln und eine technische Architektur: Konnektoren fungieren als Zugangspunkte der Akteure zum Datenraum, Datenkatalogen helfen Datenangebote aufzufinden, das Identitätsmanagement bietet eine gemeinsame Vertrauensbasis für etablierte und neue Marktakteure. Im Testfeld wurden konkrete Anwendungsfälle umgesetzt, darunter der Zugang zu Verbrauchs- und Erzeugungsdaten von Kleinanlagen (z.B. für Visualisierungen und Steuerung von Verbrauchsanlagen), Verbrauchsnachweise für Ladevorgänge von E-Fahrzeugen (z.B. für die Mitnahme des eigenen Stromvertrags zur Ladesäule), sowie der Datenaustausch für variable Netzentgelte.

Deep Dives: Drei Perspektivem aufUmsetzung
In drei parallelen Deep-Dive-Sessions wurden zentrale Umsetzungsfragen vertieft:
- Re4DE als Blueprint für effizienten und sicheren Datenaustausch
Die Session zeigte, welche Rollen, Infrastrukturbausteine und Governance-Fragen für einen Energiedatenraum relevant sind. Im Fokus standen Identitätsmanagement über Konnektoren und Registries, Datennutzungsvereinbarungen und möglichen Betreibermodellen. - Der Re4DE-Konnektor als technischer Zugang zum Datenraum
Hier wurden die praktische Anbindung von Unternehmen in den Blick genommen: Wie werden Daten beschrieben, katalogisiert und übertragen? Wie laufen Vertragsverhandlungen und Policy-Prüfungen ab? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit bestehende IT-Systeme angebunden werden können? - Datenaustausch braucht mehr als Technik: Prozesse, Anreize und Vertrauen
Mit Hilfe des Datenlebenszyklus wurde im Projekt deutlich: Unternehmen sind besonders herausgefordert bei der Datenerhebung, dem Zugriff und der Weitergabe von Daten. An exemplarischen Herausforderungen wurde diskutiert, welche Lösungsansätze Unternehmen wählen sollten. Eine Datenstrategie ist dabei die Grundlage für alle erfolgreichen und langfristigen Veränderungen in Prozessen, im Mind Set sowie der Technik.
Roadmap: Skalierung braucht Governance und Mehrwert
In der abschließenden Paneldiskussion stand die Frage im Vordergrund, wie Datenräume für die Energiewende wirksam werden können und was politisch, regulatorisch, wirtschaftlich und organisatorisch dafür die konkreten nächsten Schritte sein müssen.
- Datenräume können für Unternehmen im Energiesektor mehr sein als eine zusätzliche technische Schnittstelle. Sie können konkrete Probleme lösen, neue Anwendungen ermöglichen und gleichzeitig Sicherheit, Verlässlichkeit und Datensouveränität gewährleisten.
- Datenräume können potenziell auch bestehende Infrastrukturen und Prozesse wie die Marktkommunikation oder den MaBiS-Hub ablösen.
- Entscheidend ist zunächst mit leicht umsetzbaren Anwendungen zu beginnen und die Mehrwerte für die Akteure greifbar zu machen.
- Das Technologieverständnis muss in die Breite getragen werden.
- Es braucht Räume und Formate, in denen sektorenübergreifend zusammengearbeitet wird und wo Wirtschaft, Politik und Regulierung offene Fragen, z.B. zum langfristigen Betrieb gemeinsam bearbeiten.
- Jeder kann zudem im Rahmen der eigenen Organisation beginnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und in den Austausch zu treten.
Ausblick
Mit Re4DE liegt ein funktionsfähiger Datenraum Open Source vor, der bereits in anderen Projekten wie energy data-X eingesetzt wird und als Grundlage für weitere Implementierungen und Weiterentwicklungen dient. Die technologischen Grundlagen sind vorhanden. Jetzt geht es darum, erfolgreiche Ansätze in den Realbetrieb zu bringen, Anwendungen zu skalieren und Betreibermodelle zu klären.
Leitsätze und Handlungsempfehlungen für die Etablierung von Datenräumen in der Energiewirtschaft, lesen Sie in unserem Impulspapier: Data Spaces für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands | dena
Das Future Energy Lab bringt dafür die relevanten Akteurinnen und Akteure mit dem Ziel zusammen, Datenräume als Baustein einer sicheren, bezahlbaren und erneuerbaren Energieversorgung weiterzuentwickeln.













