Open Source ist kein neues Thema
Open Source Software ist ein seit Jahren diskutiertes Thema, das auch in der Energiebranche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit dem zentralen Fokus auf Unabhängigkeit, Beteiligung, die Befähigung von Akteuren und Verbreitung von Code zahlt Open Source Software stark auf die Souveränität ein. Die Potentiale für den Energiesektor sind groß, weil hier viele Akteure ähnliche Entwicklungen umsetzen müssen. Im Future Energy Lab versuchen wird deswegen stark auf die Entwicklung von Open Source Software in unseren Projekten zu setzen.
Ab Ende der 90er Jahre wurde der Begriff geprägt, doch schon ab den 60er Jahren davor gab es verschiedene Bestrebungen, die als Vorreiter von Open Source beschrieben werden können. Viele Unternehmen und Privatpersonen nutzen häufig Open Source Software im Alltag, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein: z.B. Firefox, Open Office (Libre Office) und das Linux Betriebssystem sind dabei große bekannte Projekte.
Was ist Open Source
Open Source beschreibt freie Software, wobei frei in Bezug auf Open Source Software nicht automatisch kostenlos bedeutet, sondern die Freiheiten, die im Umgang mit dem Sourcecode bestehen.
Diese werden durch die vier Freiheitsgrade (Free Software Foundation Europe) von Open Source Software beschrieben:
- Freiheit, das Programm wie gewünscht und für den eigenen Zweck zu nutzen (Verwenden).
- Freiheit, die Funktionsweise des Programms ohne Einschränkungen zu untersuchen. (Verstehen)
- Freiheit, das Programm zu teilen. (Verbreiten)
- Freiheit, das Programm weiterzuentwickeln und zu verbessen und diese der Öffentlichkeit freizugeben. (Verbessern)
Durch diese Freiheiten werden die Kontrolle und Befähigung der Nutzenden der Software in den Mittelpunkt gestellt. Die Freiheitsgrade “verbreiten” und “verbessern” führen außerdem zu Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern. Dieser Fokus führt dazu, dass Open Source Software ein wichtiger Baustein ist, um digitale Souveränität zu erreichen.
Open Source im Energiesystem
Im Energiesystem kommt Open Source eine besondere Bedeutung zu: das Energiesystem wird immer dezentraler mit immer mehr (auch sehr kleinen) Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen sowie Akteuren. Dies ist gepaart mit einer teilweise sehr klar vorgegebenen Struktur und geregelten Prozessen (z.B. der Marktkommunikation). Mit stetiger Entwicklung des Energiesystems ist eine fortlaufende Anpassung bestehender Prozesse notwendig.
Open Source Software kann hier für viele Herausforderungen eine passende Lösung sein. Durch den offenen Quellcode und das Setzen auf offene Schnittstellen ist Interoperabilität eine zentrale Ausrichtung von Open Source Projekten. Der offene Charakter einer solchen Software führt auch dazu, dass durch eine entsprechende aktive Community schnell und kostengünstig Anpassungen an Softwarelösungen vorgenommen werden können – damit werden hohe Anpassungskosten bei proprietärer Software bspw. für die MaKo eingespart. Durch die Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Open-Source-Software könnte zudem verhindert werden, dass proprietäre Software zu unterschiedlichen Messstandards und Bewertungen in Reportings führt. Das betrifft beispielsweise die Bewertung der Energieeffizienz oder des Wirkungsgrads verschiedener Anlagen, bei denen die zugrunde liegenden Berechnungen und Bewertungsmethoden proprietärer Software häufig nicht einsehbar oder reproduzierbar sind.
Im deutschen Energiesystem ist Open Source bisher ein unterrepräsentiertes Thema und v.a. getrieben durch die Forschung. Es könnten große Vorteile gehoben werden, wenn die Branche an geeigneten Stellen Open Source als Lösungen mit bedenkt. Dafür müssen an manchen Stellen auch noch regulatorische Hürden abgebaut werden. Einige Netzbetreiber wie 50Hertz und E.ON gehen hier mit sogenannten Open Source Program Offices voran.
Open Source im Future Energy Lab
Im Future Energy Lab arbeiten wir daran die Digitalisierung der Energiewende voranzubringen. Dabei sollen die Ergebnisse unserer Projekte nicht ausschließlich den Projektpartnern vorbehalten sein, sondern für alle Akteure der Energiebranche zugänglich sein. Deswegen setzen wir in immer mehr unserer Projekte auf die Entwicklung von Open Source Software. Prominente Beispiele hierfür sind:
- die Data Space Komponenten im Referenzsystem für den Datenaustausch im Energiesektor (Re4DE)
- die digitale Infrastruktur aus dem Projekt Digitale Identitäten als Vertrauensanker im Energiesektor (DIVE)
- die Urban Data Platform (UDP) im Projekt klimakommune.digital
Der Code aus diesen und weiteren Projekten ist auf dem FEL GitHub Account veröffentlicht
Unsere Motivation für die Open Source Entwicklung:
- Nachnutzung: Andere Projekte, Kommunen sowie Unternehmen können die auf Basis von öffentlichen Geldern in unseren Projekten entwickelte Software (nach)nutzen und darauf aufbauen.
- Befähigung von Akteuren: Durch Open Source Software ermöglichen wir es Akteuren innovative Software auszuprobieren und niedrigschwellig zu nutzen.
- Keine Lock-In Effekte: Es entstehen keine Lock-In Effekte bei der Nutzung von Open Source Software, wodurch die Partner in Projekten flexibel bleiben und die Anwendungen auch nach Projektende nutzen können.
- Flexibilität: Open Source Lösungen lassen sich flexibel auf die Bedarfe des jeweiligen Projekts oder Anwendungsfalls anpassen.
Open Source als gemeinsamer Weg zu mehr Souveränität
Open Source Software kann damit mehr sein als eine technische Alternative zu proprietären Lösungen. Gerade in einem zunehmend digitalen und dezentralen Energiesystem bietet sie die Chance, Wissen, Lösungen und Entwicklungen gemeinsam nutzbar und weiterentwickelbar zu machen. Dafür braucht es neben geeigneten technischen Rahmenbedingungen auch die Bereitschaft der Branche, stärker zusammenzuarbeiten und Open Source von Beginn an als möglichen Lösungsansatz mitzudenken.
Im Future Energy Lab wollen wir diesen Ansatz weiter voranbringen und zeigen, wie Open Source in konkreten Projekten funktionieren kann. Denn wenn Lösungen nicht mehrfach nebeneinander entwickelt, sondern gemeinsam weiterentwickelt und nachgenutzt werden, können Ressourcen effizienter eingesetzt und digitale Souveränität gestärkt werden. Open Source ist damit nicht nur eine Frage des Codes, sondern auch eine Frage der Zusammenarbeit.
